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Don Farrago: Charlotte Roche: Feuchtgebiete vs. Axe & Co.

Montag, 3. März 2008

Charlotte Roche: Feuchtgebiete vs. Axe & Co.

Mit ihrem Debütroman "Feuchtgebiete" begibt sich Medien-Tausendsassa Charlotte Roche auf einen gewagten feministisch-literarischen Trip in die niederen Gefilde menschlicher Ausdünstungen und Sekrete und hält ein engagiertes Plädoyer für die Rückbesinnung auf eher tierische Körperlichkeit: zurück zur Natur mit Blut, Schweiß, Schleim und Eiter und weg von der Hygienehysterie mit Körperpflege, Intimrasur, Slipeinlagen und Deodorants.

In einem Interview bei Spiegel Online erläutert sie ihre Beweggründe für ihr Buch:
Eine Grundidee war: Hass auf Parfums, Hass auf Deos. Als Menschen sind wir ursprünglich darauf angelegt, im Geruch des anderen den potentiellen Sexualpartner zu suchen und zu erkennen. Indem wir uns künstlich parfümieren, nehmen wir uns eine Quelle der Lust. Ich möchte das Geschlechtsteil des Mannes durch seine Hose hindurch riechen. … Ich bin für mehr Sex - mehr Schweinereien, keine Tabus. Ich glaube, dass es vom echten Sex, dem Sex, der riecht und schmeckt und schmutzige Geräusche macht, nie genug geben kann.

Hier ist sie noch mal im Originalton (bei Polylux vom 28.2.):


Wenn es also nach Charlotte Roche geht, haben die Produktentwickler und Marketingleute bei Axe & Co. bald ausgedient:


Ich gebe der guten Charlotte zwar in manchem Recht: So bin ich wie sie der Meinung, "… dass es vom echten Sex, dem Sex, der riecht und schmeckt und schmutzige Geräusche macht, nie genug geben kann." Doch würden mich Frauen, deren sexuelle Ausdünstungen ich bereits durch die Kleidung riechen kann, in der U-Bahn oder bei der Arbeit, mit Verlaub gesagt, nicht sonderlich antörnen...

Und auch Mädels wie ihre Protagonistin Helen, die im Krankenhaus ihre "Blumenkohl"-Beschwerden auslebt und pflegen lässt, würden meinen Hormonspiegel oder gar mehr wohl kaum in die Höhe treiben: Sie ist - so schreibt die taz in ihrer Buch-Rezension - zwar "altersgemäß sexfixiert, aber mit einem großen Faible für weitere, trickreiche Obsessionen. Sie inszeniert sich als Bakterienschleuder: Hinterlegt überall getragene Tampons, damit ihr Blut unter die Leute kommt. Züchtet hingebungsvoll Avocadokerne, weil sie die schleimige Oberfläche liebt und man prima mit ihnen onanieren kann. Versucht, auf öffentlichen Toiletten möglichst viele Bakterien von der Kloschüssel mitzuschnacken. Lutscht und knabbert exzessiv jedes Fitzelchen Blut, getrockneten Schleim oder Eiter ab, das sie an sich findet."

Nun ja, jedem das Seine und jeder das Ihre – wenn's denn Spaß und nicht krank macht… ;-)


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