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Don Farrago: Australien: Premier Rudd's "Sorry" an die Aborigines

Mittwoch, 13. Februar 2008

Australien: Premier Rudd's "Sorry" an die Aborigines

Im November 2007 lösten in Australien Kevin Rudd und seine Labor-Partei mit einem Erdrutsch-Sieg die liberal-nationale Regierungskoalition unter John Howard ab. In der konstituierenden Sitzung des neuen Parlaments am 12. Februar fand Premierminister Rudd als erster australischer Politiker offiziell Worte der Entschuldigung für die langjährigen Menschenrechtsverletzungen an den Aborigines.

Insbesondere wandte sich Rudd dabei an die Opfer der "Stolen Generation", die von 1910 bis ca. 1970 als Babys und Kinder aus ihren Familien gerissen und in staatlichen Heimen, Missionsstationen oder bei Pflegefamilien zu Weißen "umerzogen" werden sollten. Geschätzte 100.000 Kinder wurden auf diese Weise entwurzelt und verloren ihre Identität.

Diese Politik sei ein schwarzer Fleck auf der australischen Seele und werde sich niemals wiederholen, betonte Rudd: "Wir entschuldigen uns für die Gesetze und die Politik der vorangegangenen Parlamente und Regierungen, die unseren australischen Mitbürgern großen Schmerz, Leid und Schaden zugefügt haben." Seine Rede fand so große Beachtung, dass sie vielerorts sogar auf Großbildwänden übertragen wurde.

Hier die wesentlichen Punkte der Entschuldigung im Wortlaut:


Und hier ein Video, dass die Entschuldigung und ihre Hintergründe aus einer sehr persönlichen Perspektive zeigt:


Mit "Thank you, Mr. Rudd"-Plakaten bejubelten viele Australier im ganzen Land die Entschuldigungsrede ihres Premierministers. "Zum ersten Mal seit sehr langer Zeit fühlen sich die Ureinwohner als Teil Australiens", sagte Mark Bin Bakar, ein Sprecher der "Stolen Generation". "Es geht darum, als Land zusammenzufinden, unsere Vergangenheit anzuerkennen und voranzukommen, uns gegenseitig als Brüder und Schwestern der Nation zu akzeptieren."

Bleibt abzuwarten, ob Rudds Geste auch ein Umdenken in den Köpfen der Australier auslöst. Dies kann allerdings mit Fug und Recht bezweifelt werden, wenn man sich so manche Kommentare zu den entsprechenden Video-Veröffentlichungen auf YouTube durchliest…


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2 Kommentare:

Am/um 13.02.08, 23:01 , Anonymous Claudia meinte...

Kleine sprachliche Anmerkung: auch wenn es dem allgemeinen Sprachgebrauch entspricht, kann man sich nicht für etwas entschuldigen, was man getan hat. Entschuldigen können nur (hoffentlich) die Opfer.

 
Am/um 14.02.08, 15:49 , Blogger Don Farrago meinte...

Danke für den Hinweis! Natürlich hast du – etymologisch gesehen – Recht; die Passage "fand … Worte der Entschuldigung" müsste dann eher heißen "fand … Worte des Bedauerns". Und natürlich entschuldigt man sich auch nicht, sondern bittet um Entschuldigung, Verzeihung oder Vergebung, oder man leistet Abbitte. Die Ent-Schuldigung liegt tatsächlich bei denen, die ihren Schuldigern vergeben…

Da sieht man, wie Sprachgebrauch und Zeitgeist manche Bedeutungsinhalte verwässern; da aber (lebende) Sprachen nie statisch sind, sollte man auch keine allzu hohen Maßstäbe für archaische Feinheiten anlegen. In diesem Fall allerdings hätte es mir bei entsprechender Sorgfalt auffallen müssen – mea culpa!

 

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