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Don Farrago: 1. Oktober 1869: Die Geburtsstunde der SMS!

Montag, 1. Oktober 2007

1. Oktober 1869: Die Geburtsstunde der SMS!

Am 1. Oktober 1869 wurde in Österreich-Ungarn offiziell die erste Postkarte der Welt eingeführt, nachdem bereits im Januar dieses Jahres der österreichische Nationalökonom Dr. Emanuel Herrmann in der "Neuen Freien Presse" eine "neue Art der Correspondenz mittels der Post" vorgeschlagen hatte. Sie sollte günstiger sein als beim Brief und speziell dem Bedürfnis nach Kurzmitteilungen Rechnung tragen (also praktisch als postalische Frühform der SMS). Damit griff er eine frühere Anregung des preußischen Geheimen Postrats Heinrich Stephan vom November 1865 auf, die allerdings auf einer Postkonferenz in Karlsruhe mit dem Argument der "mangelnden Vertraulichkeit" abgeschmettert worden war.
Diese so genannte Correspondenz-Karte verfügte über eine Adressen- und eine Mitteilungsseite. Bilder irgendwelcher Art gab es nicht, abgesehen vom österreich-ungarischen Doppeladler und der aufgedruckten Zwei-Kreuzer-Marke auf der Adressenseite. Und die Klippe der mangelnden Vertraulichkeit und möglicher beleidigender oder gar unsittlicher Äußerungen wurde mit dem aufgedruckten Hinweis "Die Postanstalt übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Mitteilung" umschifft.

Erst im späten 19. Jahrhundert vollzog sich der Wandel von der "SMS" zur "MMS", und es kamen verstärkt Bildpostkarten auf, die schnell auch für Sammler interessant wurden. Und da habe ich bei den Recherchen für diesen Artikel ein paar Schmankerl gefunden, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Die 1817 in Berlin gegründete Kakao- und Schokoladenfabrik "Theodor Hildebrand und Sohn" (ab ca. 1930 "Hildebrand, Kakao- und Schokoladenfabrik GmbH" und 1969 von Stollwerck aufgekauft) gab um 1900 eine Serie von Postkarten-Beilagen heraus, die das Leben im Jahr 2000 aus damaliger Sicht zeigen. Echte kleine Kunstwerke – mit erstaunlichen, teilweise verblüffend realistischen Visionen:
Aber auch in Frankreich machte man sich um diese Zeit Gedanken, wie der Alltag im Jahre 2000 aussehen könnte. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob es sich hier um Postkarten oder um Sammel-Beilagen zu Lebensmitteln handelt, aber die Visionen des Malers Villemard aus dem Jahre 1910 sind eine tolle Ergänzung zu den deutschen Motiven. Hier drei Beispiele:

Rollschuhe mit Motorantrieb
Moderner Schulunterricht
Diktiergerät
Weitere tolle Ausblicke auf das Leben im Jahr 2000 gibt es auf der Homepage der französischen Nationalbibliothek BNF. Da fragt man sich unweigerlich: Wie mag wohl unser Alltag im Jahre 2100 aussehen?

PS: Zur Vertiefung des Themas "Entwicklungsgeschichte der Postkarte" empfehle ich übrigens die Internet-Seiten der AVG!


Quelle für die Hldebrand-Karten: Paleo-Future



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2 Kommentare:

Am/um 01.10.07, 22:52 , Anonymous Claudia meinte...

Wieder einmal ein allerliebst plaisirlicher Beitrag von Hwd. Farrago!

 
Am/um 02.10.07, 00:56 , Blogger Don Farrago meinte...

Naja, man thut, was man kann!

NB: Morgen kommt noch was zum Stoibär, damit dir dein Sympathieschwenk leichter fällt... ;-)

 

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