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Don Farrago: Forschung: Was machen die Augen beim Lesen?

Donnerstag, 13. September 2007

Forschung: Was machen die Augen beim Lesen?

Britische Wissenschaftler haben das Geheimnis der Augenbewegungen beim Lesen entschlüsselt. Entsprechende Erkenntnisse wurden am Wochenende auf dem BA Festival of Science in York präsentiert. Bisher war man der Meinung, beim Lesen seien beide Augen stets auf denselben Buchstaben fokussiert, doch jetzt steht fest, dass dies nicht immer zutrifft.

M. C. Escher: Das Auge (zum Vergrößern anklicken)

Stattdessen stellte sich heraus, dass das linke und das rechte Auge beim Lesen fast die Hälfte der Zeit simultan auf verschiedene Buchstaben ausgerichtet sind. Probanden bekamen Texte in 14-Punkt-Schrift vorgelegt, die sie aus einer Entfernung von einem Meter lesen mussten, während ihre Augenbewegungen mit Spezialgeräten erfasst und aufgezeichnet wurden. Dabei stellte sich heraus, dass die Augen sich nicht stetig über einen Text bewegen, sondern dass sie kleine sprunghafte Bewegungen machen, eine Zeitlang bei einem bestimmten Wort verweilen und sich dann weiter über den Text bewegen.

Die Zeitpunkte, zu denen die Augen an einer Stelle stehen bleiben, werden als "Fixierung" bezeichnet. "Wir haben herausgefunden, dass bei einer Großzahl der Fixierungen, die der Mensch beim Lesen vornimmt, die Augen nicht denselben Buchstaben betrachten", sagte Professor Simon Liversedge von der University of Southampton. Stattdessen seien die Augen häufig auf verschiedene Buchstaben in demselben Wort fokussiert.
Die Grafik zeigt die drei möglichen Blicklinien, die bei den Untersuchungen festgestellt wurden: links die bisher als normal betrachtete Blickweise, in der die Augen beim Lesen auf denselben Buchstaben ausgerichtet sind (53% der Zeit), in der Mitte den Blick auf verschiedene Buchstaben, ohne dass sich die Blicklinien überkreuzen (39%), und rechts die Überkreuz-Blickweise, die immerhin noch 8% ausmacht.

Ein Folgeexperiment ergab, dass wir beim Lesen nur deswegen ein klares Bild sehen, weil unser Gehirn die verschiedenen Ansichten, die uns unsere Augen liefern, miteinander verschmilzt. Das Gehirn unterdrückt also nicht das eine Bild, während es das andere verarbeitet, sondern es werden die Informationen beider Augen genutzt.

Das Gesamtverständnis der psychologischen Prozesse, die beim Lesen ablaufen, ist laut Prof. Liversedge von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung besserer Methoden, um Kindern das Lesen beizubringen und Menschen mit Leseschwächen wie etwa der Dyslexie zu fördern.


Quelle: BBC News
Zur Vertiefung des Themas: Das Geheimnis der selektiven Wahrnehmung


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1 Kommentare:

Am/um 16.09.07, 12:30 , Anonymous Claudia meinte...

Je mehr man darüber herausfindet, desto rätselhafter wird das Gehirn. (Gilt auch für andere Dinge, wie den Körper, die Erde, die Welt...)

 

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