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Don Farrago: ARD: DBK-Leitlinien zu sexuellem Missbrauch (Screenshots)

Mittwoch, 28. April 2010

ARD: DBK-Leitlinien zu sexuellem Missbrauch (Screenshots)

Frühaufstehern, die am 26. April 2010 den Fernseher einschalteten, bot sich ein im wahrsten Sinne des Wortes befremdliches Bild bei der ARD-Tagesschau: Ab der Ausgabe um 04:45 Uhr wurde unter anderem über das Treffen der deutschen Bischofskonferenz (DBK) im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche berichtet. Und diese Nachricht wurde mit einer äußerst fragwürdigen Hintergrundeinblendung garniert – da hieß es nämlich "Leitlinien zu sexuellem Missbrauch".

Linda Zervakis um 4:45 Uhr

Sollte es tatsächlich so sein, dass die deutsche Bischofskonferenz eine Art Anleitung, ein How-to entwickeln will, wie ein solcher Missbrauch zu erfolgen hat? Dieser Eindruck wurde noch verstärkt, da der gleiche Hintergrundtext auch in den Tagesschau-Ausgaben von 5:30, 6:00, 6:30, 7:00 und 7:30 Uhr eingeblendet wurde.
Thorsten Schröder um 07:30 Uhr

Doch da muss es allerdings einem klugen Kopf in der Tagesschau-Redaktion aufgefallen sein, dass man die Einblendung falsch interpretieren könnte, und so hieß es schon in den Ausgaben von 08.00 und 08:30 Uhr: "Leitlinien gegen sexuellen Missbrauch".
Thorsten Schröder um 08:00 Uhr

Aha, mochte jetzt der geneigte Zuschauer denken, da setzt sich doch tatsächlich die Altherren-Riege der katholischen Kirche zusammen und entwickelt Leitlinien, wie man sich gegen sexuelle Übergriffe seitens kirchlicher Würdenträger schützen kann? Weit gefehlt, denn ab 09:00 Uhr brachte die ARD endgültig Klarheit in diese sensible Thematik und blendete eine erneut bereinigte Textfassung ein: "Leitlinien zum Umgang mit Missbrauch".
Thorsten Schröder um 09:00 Uhr

Diese Fassung wurde dann auch für die weiteren Tagesschau-Ausgaben des Tages beibehalten, und Hand aufs Herz: Sie trifft wohl am ehesten die Absichten der deutschen Bischofskonferenz. Denn es geht den Ornatträgern wohl eher darum, wie sie mit bereits erfolgten Missbrauchsfällen umgeht – und weniger um Präventionsmaßnahmen für die Zukunft, auch wenn es auf der DBK-Homepage heißt: "Die überarbeiteten Leitlinien sollen stärker auf die Opfer-Perspektive eingehen und die Präventionsarbeit deutlicher berücksichtigen als bisher." Denn bisher hat es eine solche Präventionsarbeit so gut wie gar nicht gegeben, also ist jeder noch so minimale Ansatz in dieser Richtung mehr als "bisher"...


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