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Don Farrago: Karneval: Büttenpredigt in der Kirche

Montag, 4. Februar 2008

Karneval: Büttenpredigt in der Kirche

Okay, ich renne nicht jeden Sonntag in die Kirche, und der absolute Karnevals-Freak bin ich auch nicht. Aber am Karnevals-Sonntag hat mich die Predigt eines katholischen Pfarrers sehr beeindruckt: In Form einer Büttenrede hat Gerhard Fliß, der in Recklinghausen im nördlichen Ruhrgebiet drei Kirchengemeinden betreut, einige Dinge auf den Punkt gebracht:

Einmal im Jahr müsst ihr's ertragen,
das will ich euch ganz offen sagen:
dass Karneval und Fassenacht
sich auch in der Kirche breit gemacht.

Doch wird jetzt hier kein Tusch erklingen,
niemand muss Kölsche Lieder singen.
Nur ein paar Verse vom Pastor
dringen als Predigt an euer Ohr.

Evangelium und Lesungstext *)
erscheinen heute wie verhext:

Was etwas gilt in dieser Welt,
wird von Gott auf den Kopf gestellt
und ganz nach unten abgeschoben,
das Nichtige jedoch erhoben.

Auch Jesu Botschaft macht's ganz klar;
viele finden sie nicht zumutbar
dass Menschen, die am Rande stehn
von ihm als selig angesehn.

Ihnen hält Gott den Platz bereit
in seinem Reich, an seiner Seit -
das mag uns wohl nachdenklich stimmen,
andere Worte kommen ins Schwimmen.

Haste was, so biste was,
Hauptsache, ich hab meinen Spaß.
Setze dich durch, werd groß und stark:
So handeln viele Tag für Tag.

Daraus entstehen Gewalt und Streit,
Unfrieden auch, Bosheit und Neid,
Eifersucht, Intrigen, all solche Sachen -
kann man gar nichts dagegen machen?

Doch Jesus sagt, ihr könnt was tun,
Denkmuster lassen und erst ruhn,
wenn Menschen begreifen in allen Ländern:
ICH, nicht die andern, müssen sich ändern!

Ich mache jetzt den ersten Schritt,
und hoffentlich machen viele mit,
damit das Zusammenleben auf der Erde
einfach ein bisschen menschlicher werde.

An Karneval passiert es schon:
Es herrscht ein neuer Umgangston -
ein paar Tage, die vielen Freude machen,
Schunkeln, Bützen, Singen, Lachen:

Das ist die höchste Glückseligkeit!
Nur steht manch Kater schon bereit,
also lasst euch von Jesus weisen,
dann seid ihr gewiss selig zu preisen.

Setzt nur auf Gott euer Vertrauen,
so müsst ihr nicht nach Reichtümern schauen.
Seid friedliebend, zeigt ruhig eure Tränen,
Gott will euch Trost sein und nicht beschämen.

Strebt nach Gerechtigkeit, braucht keine Gewalt,
die Nöte der andern lassen euch nicht kalt.
Bleibt ehrlich und offen im Handeln und Reden
dann wird Gott euch beschenken, jede und jeden…

…auch über den Aschermittwoch hinaus.
So, meine Predigt ist nun aus,
zum Schluss, und nur heute in diesem Rahmen:
ein leises Helau und ein kräftiges AMEN!!!

Danach ertönte dann schließlich doch noch der dreifache Karnevals-Tusch über die Kirchenorgel. Und das im Kohlenpott, wo Kirche und Karneval für viele Menschen weniger Bedeutung haben als Ersatzreligionen wie Schalke 04 und der BVB… Gut gemacht, Herr Fliß!


*) Für die weniger Bibelfesten: Beim Evangelium ging es um die Bergpredigt (Mt. 5.1-12) und bei der Lesung um den ersten Korintherbrief des Apostels Paulus (1 Kor 1, 26-31).


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