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Don Farrago: Ein Polizeipräsident entschuldigt sich

Samstag, 26. Mai 2007

Ein Polizeipräsident entschuldigt sich

Vom 21. bis zum 25. Mai 2007 fand in Berlin die 29. Konferenz der Polizeipräsidenten der europäischen Hauptstädte statt. Und während die geballte europäische Polizeiprominenz aus 35 Ländern unter dem Motto "Kulturen in Europa – Strategieansätze des Polizeimanagements" fleißig vor sich hin tagte, wurde den jeweiligen Begleitungen ein umfangreiches Sightseeing- und Freizeitprogramm geboten. Natürlich stand den hohen Herren nach so schnöden und trockenen Tagungsthemen wie Terrorismus, interkultureller Dialog und Personalmanagement auch der Sinn nach etwas Ablenkung, und so war im Tagungsprogramm für den Abend des 24. Mai eine gesellige Runde in der malerischen Zitadelle Spandau vorgesehen.


Der Abend fand seinen Höhepunkt in einem grandiosen Feuerwerk, das kurz vor Mitternacht abgebrannt wurde und viele Spandauer Bürger um ihre wohlverdiente Nachtruhe brachte. Einige waren dermaßen sauer, dass sie bei der Polizei anriefen, um sich über den Lärm zu beschweren. Und so wurde am 25. Mai gegen die Verantwortlichen der Berliner Polizei ein Verfahren wegen ruhestörenden Lärms eingeleitet.

Der Berliner Polizeipräsident Dieter Glietsch ließ es sich daraufhin nicht nehmen, sich bei den um ihren Schlaf gebrachten Anwohnern höchstselbst zu entschuldigen. Hier der Wortlaut (Quelle: Berliner Polizeiticker):

Gegen Verantwortliche der Berliner Polizei läuft ein Ordnungswidrigkeitenverfahren wegen ruhestörenden Lärms im Zusammenhang mit einem Feuerwerk, das gestern kurz vor Mitternacht bei einer Abendveranstaltung anlässlich der Konferenz der Polizeipräsidenten der europäischen Hauptstädte auf dem Gelände der Spandauer Zitadelle abgebrannt wurde. Das Feuerwerk war dem zuständigen Bezirksamt angezeigt worden. Das Bezirksamt hatte gegenüber der anmeldenden Dienststelle darauf hingewiesen, dass das Feuerwerk bis spätestens 23 Uhr beendet sein muss. Dies war der Behördenleitung als Gastgeber der Veranstaltung nicht mitgeteilt worden. Mehrere Anrufer hatten sich bei der Polizei gemeldet, weil sie sich in ihrer Nachtruhe gestört fühlten. Polizeipräsident Dieter Glietsch bedauert dies und bittet die Betroffenen um Entschuldigung.

25.05.2007, 14:47 Uhr
Der Polizeipräsident in Berlin – Stab des Polizeipräsidenten
Pressestelle

Während man diesen Vorfall mit viel Wohlwollen noch unter der Rubrik "Schildbürgerstreich" ablegen könnte, fällt die Entschuldigung, die Glietsch vor wenigen Wochen an andere Berliner Bürger richten musste, schon in eine andere Kategorie: Am 6. Mai hatte er sich bei den Angehörigen eines wenige Tage zuvor in Berlin-Tiergarten erschossenen Mannes entschuldigt, der wegen akuter Bedrohungen um Polizeischutz gebeten hatte. Hier räumte Glietsch "Fehler bei den Ermittlungen" ein und entschuldigte sich für "Versäumnisse der Beamten" (siehe Tagesspiegel Online).

So ein höflicher und ehrenwerter Mann, dieser Herr Polizeipräsident! Und stets bereit, für Versäumnisse und Fehlverhalten seiner Leute persönlich den Kopf hinzuhalten



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