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Don Farrago: Phoenix: Der alltägliche Quoten-Wahnsinn

Sonntag, 29. Juli 2007

Phoenix: Der alltägliche Quoten-Wahnsinn

Sobald in den USA ein spektakuläres Verbrechen geschieht, lassen die konkurrierenden TV Channels ihre News-Helis aufsteigen, um sich gegenseitig in der Live-Berichterstattung auszustechen. So war es eigentlich am Freitag, dem 27. Juli, ein ganz normaler Vorgang, als die Chopper News Teams von fünf (!) verschiedenen TV Channels live von einer Verfolgungsjagd in Phoenix/Arizona berichteten.

Doch dann geschah das Unfassbare – während der Live-Übertragung stießen zwei dieser Hubschrauber zusammen, und die vier Insassen kamen ums Leben. Hier das Video der Live-Sendung von KNXV-TV, die das Unglück um 12 h 46 Ortszeit dokumentiert:


Die Trümmer der Maschinen gingen in einem öffentlichen Park nieder; wie The Arizona Republic aus Phoenix heute berichtet, war dies jedoch noch "Glück" im Unglück: Wären die Hubschrauber etwas weiter südlich, westlich oder östlich zusammen gestoßen, hätten die Trümmer auf verstopfte Straßen, ein Krankenhaus oder ein Wohngebiet stürzen können – mit verheerenden Folgen. Hier gibt es die schockierenden Bilder vom Absturzort.

Die genaue Ursache des Crashs ist noch ungeklärt, eine Untersuchung seitens der Behörden wurde eingeleitet. Nach den Funksprüchen der Piloten liegt aber die Vermutung nahe, dass sie nicht über die Position des jeweils anderen Bescheid wussten. Mittlerweile hat Jack Harris, der Polizeichef von Phoenix, nicht ausgeschlossen, dass der von der Polizei verfolgte 23-Jährige Autodieb, über dessen Flucht live berichtet wurde, auch für den Tod der vier Besatzungsmitglieder zur Rechenschaft gezogen wird.

Alles in Allem ein Szenario, das in diesen Auswüchsen Gott sei Dank bei uns (noch?) unvorstellbar ist. Es gibt meines Wissens nur einen Fall, in dem die deutschen Medien so dicht am Geschehen waren, dass es fast zu einer Katastrophe gekommen wäre: das spektakuläre Gladbecker Geiseldrama vom August 1988.

Da kann man nur hoffen, dass uns diese makabre Art von Quotenkrieg auch weiterhin erspart bleibt!


Weiterführende Infos:
ORF News
The Arizona Republic




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2 Kommentare:

Am/um 29.07.07, 18:23 , Anonymous Claudia meinte...

Ist die Nachrichtensprechern echt? Ich frage, weil die Lippen der einzige Teil des Gesichts sind, der sich bewegt - was kaum möglich ist bei echten Menschen, zumal wenn gerade offensichtlich dem Gesprächspartner und Kollegen etwas Furchtbares geschehen ist.
Ist sie sowas? oder sowas?

 
Am/um 29.07.07, 18:57 , Blogger Don Farrago meinte...

Weder noch… die Dame leidet offensichtlich unter dem in den USA weit verbreiteten Amanda Congdon-Syndrom…

 

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