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Don Farrago: Hier bin ich Raucher, hier bin ich Mensch!

Sonntag, 6. Januar 2008

Hier bin ich Raucher, hier bin ich Mensch!

Jedes Verbot lechzt geradezu nach legaler Umgehung, also muss sich die Gastronomie was einfallen lassen, wenn sie nicht auf einen Teil ihrer Stammkunden verzichten, in die Illegalität abdriften oder in der Pleite versinken will. Und der Wechsel von der Eckkneipe in die Müsli-Bar stellt für den Wirt ein großes unternehmerisches Risiko dar – vor allem, wenn die Stammgäste ausbleiben. Und da ist ja auch noch die Fürsorgepflicht gegenüber den fleißigen und bewährten MitarbeiterInnen, die er nicht vernachlässigen möchte...

Ich selbst bin langjähriger, mehr oder minder moderater Raucher, doch ich sehe bereits jetzt, wie bisher feste soziale Gefüge auseinanderbröckeln. Da wird im Freundeskreis gesiebt, Kegel- und Sparclubs lösen sich auf, und es wird auf eine mögliche neue Stammkneipe "gespinxelt". Bei uns in Nordrhein-Westfalen haben wir zwar noch ein halbes Jahr Zeit, uns auf die Stunde Null einzustellen, doch schon jetzt laufen Hobby-Architekten mit Umbauplänen herum, es wird an tragenden Wänden gerüttelt, in größeren Kneipen werden sinnfreie Umbauten in die Wege geleitet, und ansonsten wird auf eine mögliche "Ausnahmegenehmigung" verwiesen.

Da freut es mich immer wieder, wenn ich von konkreten Initiativen lese – und da macht das M.C. Mueller in München, der härtesten Nichtraucherschutzgesetzstadt Deutschlands, einen Schritt in Richtung Versöhnung: Hier ist donnerstags, freitags und samstags der "Club" angesagt, der das Recht auf rauchhaltige Umgebung sichern könnte. Wenn das Ganze logistisch durchgezogen werden kann, ja, warum denn nicht? Zum Sonntag wird dann eben ordentlich ausgelüftet!

Und die Süddeutsche Zeitung zieht mit: Im aktuellen SZ-Magazin werden Plätze für einen dieser Raucher-Abende verlost. Es gibt allerdings nur 50 exklusive Raucher-Plätze – klar, da ist man mittendrin, und die andern drücken sich von außen die Nasen platt und es heißt: "Du kummscht hier net rein!" Eile ist angesagt – die SZ-Verlosung läuft noch bis zum 9. Januar.

Wir werden – nach dem in einer Kneipe in Hannover vor der Theke installierten und von Amts wegen abgebauten Raucher-Bierzelt – auch diese Initiative zur Umsetzung des laut Verfassung garantierten Persönlichkeitsrechtes weiterhin wohlwollend beobachten! Schaumermal!

M.C. Mueller

SZ-Magazin

Und danke für die Info an den Lesekreis! Ich habe mich auch schon um einen der exquisiten Paff-Plätze "beworben" - wen stören bei so einer Initiative schon die paar hundert Kilometer?



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5 Kommentare:

Am/um 06.01.08, 17:30 , Anonymous dolcevita meinte...

ach Don, ich dachte das bleibt unter uns! Jetzt, wo es alle Welt weiß, sinken unsere Chancen auf einen Platz im M.C.Mueller ;-)

 
Am/um 06.01.08, 19:00 , Blogger Don Farrago meinte...

Oohh, Dolcevita, jetzt werd ich schon wieder krank. Weißt du eigentlich, wie sich in meiner momentan naturbedingten Nichtraucherzeit Rauch, Bauchbinden (psst: nicht von meinem Bauch, sondern zigarrenmäßig), Feuer reichende Frauen und platte Voyeur-Schnoddernasen an Fensterscheiben auswirken könnten? Mein Leben, mein Spaß, mein Sport, meine Brille? Alles nyx. Und da seh ich Muelller….

Sorry, ich wollte dir deine Teilnahmechance nicht versaue(r)n. Und 'ne reelle Chance zur Pafforgie müssteste eh beim Nick einholen, pfallsteden kennz… Mach fürmich mit.
;-)

 
Am/um 08.01.08, 08:07 , Anonymous Claudia meinte...

Auch wenn ich dem Rauchen absolut nichts abgewinnen kann und rauchfreie oder -arme Lokale gerne mag, mißhagt mir diese ewige Gesetzgebung für und gegen alles und jedes. Gesetzlicher Nichtraucherschutz ist wichtig, wo Nichtraucher sich nicht wehren können (öffentliche Verkehrsmittel, Arbeitsplatz). Aber eine Überreglementierung sieht sehr danach aus, als wolle der Staat seinen Bürgern das Denken und Entscheiden abnehmen.

 
Am/um 09.01.08, 17:25 , Anonymous Dory meinte...

Oh yes, es wird fürchterlich ;-)
Wie sich die Situation im nördlichsten Bundesland - dort gilt das Rauchverbot seit Silvester - darstellt, ist hier zu lesen. http://nordnews.wordpress.com/2008/01/09/rauchverbot-generell-eine-gute-idee/#more-89
Gewürzt mit Foto aus der nördlichsten Stadt Deutschlands. Da weiß ein Gastronom klare Grenzen zu ziehen. Falls ihr da mal hinkommt...

 
Am/um 09.01.08, 21:02 , Blogger Don Farrago meinte...

Dory, mir sind von je her staatliche Eingriffe in die persönliche Lebensgestaltung suspekt, von daher lehne ich ein generelles Rauchverbot in der Öffentlichkeit ab. Ein Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden, Einrichtungen, Verkehrmitteln oder auch Restaurants ist sicherlich sinnvoll, auch wenn sich mir folgende Ausnahmeregelung des NRW-Nichtraucherschutzgesetzes nicht so recht erschließt:

In Gesundheitseinrichtungen besteht die Möglichkeit von Ausnahmen für Personen,
• die sich in palliativmedizinischer oder psychiatrischer Behandlung befinden,
• die sich aufgrund einer gerichtlich angeordneten Unterbringung in einer geschlossenen Abteilung des Krankenhauses aufhalten,
• bei denen die Untersagung des Rauchens dem Therapieziel entgegensteht.


Das menschliche Zusammenleben ist stets ein Jonglieren zwischen Rücksichtnahme und Kompromissen, und mündige Bürger werden das Wohl ihrer Mitmenschen ohnehin in ihre eigene Lebensgestaltung mit einbeziehen. Dazu sind auch sicher die meisten Raucher bereit; zu strikte staatliche Eingriffe schüren dagegen nur die Flügelkämpfe.

 

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