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Don Farrago: Albert Schweitzer am 23.4.1957

Montag, 23. April 2007

Albert Schweitzer am 23.4.1957

Am 23. April 1957 trat Friedensnobelpreisträger Albert Schweitzer in einem viel beachteten, weltweit übertragenen Rundfunk-Appell gegen die atomare Aufrüstung ein, nachdem er sich zuvor gründlich mit den wissenschaftlichen Grundlagen der Folgen der damaligen Atomwaffentests auseinandergesetzt hatte.

“Kommt es zur Einstellung der Versuche mit Atombomben, so ist dies die Morgendämmerung des Aufgehens der Sonne der Hoffnung, auf die unsere arme Menschheit ausschaut“. Mit diesen Worten beendete Albert Schweitzer vor 50 Jahren, am 23. April 1957, eine Radioansprache, in der er sich nachdrücklich für die Beendigung aller Atomwaffenversuche einsetzte. Sein »Appell an die Menschheit« ist damals über Radio Oslo ausgestrahlt und von weltweit mehr als 140 Radiostationen übernommen worden. Sie entstand vor dem Hintergrund amerikanischer, sowjetischer und britischer Atomwaffenversuche und der durch sie ausgelösten friedensethischen Debatte.

Schweitzers Rundfunkrede ist ein Appell an das Gewissen der Menschheit. Jede weitere Freisetzung radioaktiver Elemente “durch Explosionen von Atombomben“, so warnte er eindringlich, ist “als ein Unglück für die Menschheit anzusehen, das unter allen Umständen verhindert werden muß“.

(Quelle: Prof. Ulf Liedke, Dresden im “Amtsblatt der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens“, S. 13)
Zeitgenössische Karrikatur

In drei weiteren Appellen vom 28., 29. und 30. April 1958 (“Verzicht auf Versuchsexplosionen“, “Die Gefahr eines Atomkrieges“, “Verhandlungen auf höchster Ebene“), die vom damaligen Präsidenten des norwegischen Nobelpreiskomitees Gunnar Jahn verlesen und später unter dem Titel “Friede oder Atomkrieg“ gedruckt wurden, setzte er seinen Einsatz gegen die internationale Atomwaffenlobby fort. 1958 war er einer der prominentesten Unterzeichner einer vom Publizisten Linus Pauling initiierten Unterschriftenaktion, in der sich namhafte Wissenschaftler gegen Atomversuche aussprachen. So trug er mit dazu bei, dass im Jahre 1963 ein Versuchsstoppabkommen für Atomwaffentests unterzeichnet wurde.

Die Bedeutung seiner Denkanstöße spiegelt sich unter anderem in folgenden Reaktionen wider:

WINSTON CHURCHILL:
Schweitzer ist ein Genie der Menschlichkeit.

ALBERT EINSTEIN:
Kaum je habe ich einen andern Menschen gefunden, in dem Güte und Sehnsucht nach Schönheit so ideal vereinigt sind sie bei Albert Schweitzer. (...) Am Ende muss doch ein unzerstörbarer guter Kern in vielen sein, sonst hätten sie nie seine schlichte Größe erkannt.

THEODOR HEUSS:
Dies nun ist das Merkwürdige, der Schweitzer ist kein Politiker, aber aus seiner metapolitischen Haltung ist ein Politikum im Geistigen geworden.

JOHN F. KENNEDY an Albert Schweitzer:
I read your letter on the nuclear testing problem with interest and sympathy. - You are one of the transcendent moral influences of our century. I earnestly hope that you will consider throwing the great weight of that influence behind the movement for general and complete disarmament.


MARTIN LUTHER KING:
Er wird die zukünftigen Generationen inspirieren. Er war eine der seltenen großzügigen Seelen in der Geschichte, die sich dem Wohle anderer widmen.


JEAN-PAUL SARTRE an A. Schweitzer (15.4.1962):
Ich bin auch sehr glücklich, dass Du Deine große Autorität in den Dienst des Friedens gestellt hast. Jedesmal, wenn Dein Name unter denen erscheint, die gegen den Atomkrieg kämpfen, fühle ich mich Dir nahe.

Und sogar unserer Bundeskanzlerin ist Albert Schweitzer ein Begriff! So äußerte sie sich am 28.5.2005 in der FAZ, sie habe zwar keine Vorbilder, sie habe sich jedoch mit Martin Luther King und mit Albert Schweitzer beschäftigt: “Ich hatte immer einen Hang zu Leuten, die auf friedlichem Wege, durch die Macht der Persönlichkeit, etwas bewegt haben.“

Am besten wird das Lebensmotto Albert Schweitzers, die Ehrfurcht vor dem Leben, in einem Gespräch deutlich, das knapp ein Jahr vor seinem Tode im Jahre 1965 aufgezeichnet wurde. Hier sagt er unter anderem:

"Die Not aber, in der wir bis heute leben, ist die Gefährdung des Friedens. Zurzeit haben wir die Wahl zwischen zwei Risiken. Das eine besteht in der Fortsetzung des unsinnigen Wettrüstens in Atomwaffen und der damit gegebenen Gefahr des Atomkrieges, das andere im Verzicht auf Atomwaffen und in dem Hoffen, dass Amerika, die Sowjetunion und die mit ihnen in Verbindung stehenden Völker es fertigbringen werden, in Verträglichkeit und Frieden nebeneinander zu leben. Das erste Risiko enthält keine Möglichkeit einer gedeihlichen Zukunft. Das zweite tut es. Wir müssen das zweite wagen. Die Theorie, man könnte den Frieden dadurch erhalten, dass man den Gegner durch atomare Aufrüstung abschreckt, kann für die heutige Zeit mit ihrer so gesteigerten Kriegsgefahr nicht mehr in Betracht gezogen werden. Das Ziel, auf das von jetzt bis in alle Zukunft der Blick gerichtet bleiben muss, ist, dass völkerentzweiende Fragen nicht mehr durch Kriege entschieden werden können. Die Entscheidung muss friedlich gefunden werden."

Das könnte man auch heutzutage nicht treffender auf den Punkt bringen. Und deshalb möchte ich heute an diesen großen Mann erinnern… auch wenn dieser Tag eher als “Tag des Bieres“ und “Tag des Buches“ in den medialen Fokus gerückt wird…




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